Jüdisches Leben in Trier 2021

Kleine Judenpforte

Die Kleine Judenpforte diente als einer von mehreren Zugängen zum jüdischen Stadtviertel im mittelalterlichen Trier. Das jüdische Leben ist hier seit 1066 urkundlich bezeugt. Das jüdische Viertel war relativ groß, es verfügte über etwa 60 Häuser, Synagogen, ein Gemeindehaus und eine Mikwe, also ein Ritualbad. Unter Erzbischof Balduin von Luxemburg erreichte das Viertel im 14. Jahrhundert seine Blütezeit, damals lebten hier etwa 300 Personen. Zu betonen ist, dass es sich dabei nicht um ein Ghetto handelte, es konnte zwar abgesperrt werden, aber von innen. Auch heute noch kann man auf beiden Seiten eine
Vorrichtung zur Anbringung einer Kette erkennen. Diese gab es an allen Eingängen, und so konnte auch am Sabbat der »Eruv« gewahrt werden: Man schloss das Viertel komplett ein, schaffte damit ein gemeinsames Heim und hatte so keine Überschneidungen von privatem
und öffentlichem Leben, denn die Regeln zum Sabbat besagten zum Beispiel, dass man keine Gegenstände vom privaten in den öffentlichen Raum tragen sollte, und so umging man diese Regel mit dem Abschluss des Viertels nach außen.

Zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung kam es im Mittelalter das erste Mal im Zusammenhang mit dem 1. Kreuzzug am Ende des 11. Jahrhunderts. Die nächsten schweren Verfolgungen fanden dann im 14. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Pestpogromen statt. Auch in Trier kam es zu zahlreichen Überfällen, und ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung musste fliehen. Viele Juden wanderten damals nach Polen aus oder siedelten sich in Gebieten an, die nicht unter kurfürstlicher Herrschaft standen. Zur Wiederansiedlung kam es dann erst im 17. Jahrhundert, allerdings gab es das Judenviertel zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, die jüdische Bevölkerung lebte fortan inmitten christlicher
Familien.