Jüdisches Leben in Trier 2021

Paulinstraße: Adele Elsbach

Im Haus Paulinstraße 119 wurde 1908 Adele Elsbach geboren, eine für ihre Zeit bemerkenswert moderne jüdische Künstlerin. Das Stadtmuseum Simeonstift wurde auf sie aufmerksam, als in einem Aktionshaus 2018 neun Zeichnungen für farbige Glasfenster versteigert wurden. Die Arbeiten bestechen durch ihr klare, formal reduzierte, bisweilen futuristisch anmutende Formensprache.

Über ihre Schul- und Berufsausbildung sowie das weitere Leben wissen wir leider fast nichts. Ihre Eltern waren der Maßschneider Eduard Elsbach und seine Frau Franziska, geborene Marx. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurde die Berufsausübung für die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erheblich eingeschränkt.
In ihrer 1939 ausgestellten Kennkarte als Beruf Kunstgewerblerin angegeben. In ihrer Tätigkeit als Lehrerin schrieb sie im Mai 1941 in das Tagebuch ihrer Schülerin Marianna Reusch, geborene Elikan: »Nur das Echte ist wahr und das Wahre echt. Alles Gute wünscht Dir Adele Elsbach«.

Nachdem sie aus ihrer Wohnung vertrieben und mehrmals innerhalb der Stadt zwangsumgesiedelt worden war, wurde sie im Juni 1943 in das Bischof-Korum-Haus am Rindertanzplatz gebracht, der Sammelstelle für Jüdinnen, die für die Transporte in den Osten vorgesehen waren. Man brachte sie mit dem Zug über Berlin in das Konzentrationslager Theresienstadt. Von dort wurde sie am 6. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz überführt und vermutlich kurze Zeit später ermordet.